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Editorial / Esch atmet auf

Editorial / Esch atmet auf

Source: Tageblatt.lu
Author: Armand Back

In Esch steht ein Wechsel an. Bald heißt der Bürgermeister der zweitgrößten Stadt des Landes nicht mehr Georges Mischo, sondern Christian Weis. Weis übernimmt das Amt vom zum Arbeitsminister aufgestiegenen Mischo und wird an diesem Mittwochmorgen von den Escher Gemeinderäten gewählt. De-facto-Bürgermeister wird Weis dann mit seiner Vereidigung.

Die Stadt, die sich so gerne ein progressives, auch mal etwas raueres Image gibt, bleibt zwar konservativ regiert - doch das Aufatmen von Lallingen bis Brill und von Lankelz bis Dellhéicht ist deutlich vernehmbar.

Das mag daran liegen, dass Mischos Nachfolger Weis einiges an politischem Talent und an charakterlicher Stärke nachgesagt wird. Eigenschaften, die die Stadt, die weiterhin zu den ärmsten Ecken des Landes zählt, dringend braucht - vor allem, weil sich die Probleme der Stadt nur gemeinsam lösen lassen.

Esch wird den Politiker Georges Mischo nicht vermissen - und das hat er sich selbst zuzuschreiben. Der von Mischo vorangetriebene Einzug von Schunkelfesten mit Schlagermusik und die damit einhergehende Verdummung der öffentlichen Escher Kulturlandschaft sind die eine Sache. Der ihm nachgesagte Favoritismus bei Postenbesetzungen, seine in den Sitzungen des Gemeinderats zur Genüge unter Beweis gestellte Arroganz gegenüber der Opposition, das Ganze garniert mit einer erschreckenden eigenen Dünnhäutigkeit, sowie ein oft herrischer Ton gegenüber dem Gemeindepersonal sind eine ganz andere. Es war durchgängig ein Benehmen, das Esch nicht braucht und das auch nicht zu Esch passt. Und es wurde mit der Zeit immer schlimmer. Angetreten war Mischo mit dem Versprechen, dass alles schneller geht, Ziele zügiger erreicht werden. Am Ende seiner Amtszeit lässt sich nur betrübt feststellen, dass kaum ein Projekt abgeschlossen wurde.

Bereits zu Beginn seines ersten Mandats schien Mischo getrieben davon, alles anders machen zu wollen. Am Ende hat er vieles schlechter gemacht. Damals schasste er die noch junge Leitung des Escher Kulturjahres, die sich gerade anschickte, etwas auf die Beine zu stellen - um sie mit einer Leitung zu ersetzen, die am Ende jenes Kulturjahr verbrach, das wir alle leider ertragen mussten. Es war das erste unsägliche Schauspiel und im Rückblick nur der Startpunkt in rund sechs Jahre Ego-Politik und Ego-Auftreten in Esch. Mit dem Kulturjahr war es am Ende so, wie es nun mit Mischo geht: Esch atmet auf, dass der Spuk endlich vorbei ist.

Der Rest des Landes darf sich derweil mit Mischo als Arbeits- und Sportminister herumplagen. Esch war für Mischo trotz seines so oft befremdlichen Benehmens ein Ort geworden, an dem sich kaum jemand traute, die Dinge auszusprechen, die eigentlich ausgesprochen gehören. Eine normale Folge von Günstlingswirtschaft, gepaart mit autoritärem Auftreten. In der für Mischo neuen Regierungswelt fehlt dieser Schutzschirm. Mal schauen, wie lange das gutgeht.

An Christian Weis ist es jetzt, seinen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden. Esch hat einen Bürgermeister verdient, für den man sich nicht schämen muss. Kompliziert ist das nicht: Einfach wieder einen Etat d'esprit in diese Stadt bringen, der ihrer Geschichte und ihren Menschen gerecht wird.